Wissen über Hepatitis C
http://www.hepatitis-c-online.de


Unser Selbsthilfetelefon 0621 67 09 631 ist in der Regel zwischen 13 und 20 Uhr erreichbar. Normale Telefongebühren - Keine Sonderrufnummer

   Zur Startseite

   Therapie Entscheidung

   Medikamente

   Aktuelle Therapieoptionen

   Alternativen?

   Psyche

   Therapie im Urlaub

   Arbeitsagentur

   Rentenversicherung

   Versorgungsamt



Die Seite wurde zuletzt am
05.05.2009 15:16 bearbeitet.



Aktuelle Therapieoptionen der akuten Hepatitis C

Zunächst: Im folgenden Text begegnet man immer wieder dem Begriff "Logstufe". Deshalb hier vorab eine vereinfachte Erklärung dazu: Streichen Sie einfach pro Logstufe eine Stelle bei der Ausgangsvirenlast. Beispiel für 2 Logstufen: Ausgangsvirenlast 850 000 IU/ml, 2 Logstufen weniger sind dann 8 500 IU/ml

Von einer akuten Hepatitis C spricht man, wenn die Infektion innerhalb der ersten
6 Monate nach einem Infektionszeitpunkt nachweisbar ist. Ist der Virennachweis nach diesem Zeitraum noch zu führen, spricht man von chronischer Hepatitis C.
Eine akute Hepatitis C heilt in den seltensten Fällen von alleine aus. Deshalb wird empfohlen, bei der akuten Form innerhalb der ersten 3 - 4 Monate eine Therapie einzuleiten, da die Heilungschancen bei einer akuten Hepatitis C weitaus größer sind als bei der chronischen Hepatitis C.

Die Behandlung erfolgt als Monotherapie mit Interferon und dauert in der Regel 24 Wochen.

Allerdings wird eine akute Hepatitis C sehr selten erkannt. Deshalb können nur wenige dieser Patienten behandelt werden. Die Behandlung der akuten Hepatitis C sollte möglichst innerhalb einer Studie stattfinden.

Therapie der chronischen Hepatitis C

Besteht die Infektion länger als sechs Monate spricht man von einer chronischen Hepatitis C.

Bislang hat man nach einem relativ festen Schema therapiert in Form einer Standardtherapie. Die Standardtherapie bestand in der Behandlung mit pegyliertem Interferon-Alpha (PEG-IFN) in Kombination mit Ribavirin.
Genotyp 1 + 4 wurde über 48 Wochen und Genotyp 2 + 3 über 24 Wochen behandelt.

Zeigte sich nach 12 Wochen kein oder ein zu geringes Ansprechen, wurde bisher die Therapie beendet.

Vereinzelt gingen Ärzte dazu über, diese Patienten länger zu therapieren und man stellte fest, dass Patienten, die zwar zu Woche 12 ein zu geringes Ansprechen zeigten, aber zu Woche 24 unter der Nachweisgrenze lagen, die Therapie mit einer Verlängerung durchaus erfolgreich beenden konnten.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien durchgeführt, um die Therapiedauer zu optimieren. Dadurch entwickelten sich neue Therapieschemata.
Im Juni 2008 wurden neue Empfehlungen beschlossen und ein Manuskript erstellt. Die Veröffentlichung der neuen Leitlinien (siehe Fußnote *) soll im Laufe des Jahres 2009 erfolgen. Aber schon jetzt richten sich viele behandelnde Ärzte im Wesentlichen nach den neuen Empfehlungen, die auch bereits in den Fachinformationen und Patienteninformationen der Medikamente aufgeführt sind.

Was bedeuten diese Leitlinien?

Mit diesen Leitlinien wird den behandelnden Ärzten konkrete Hilfestellung in der diagnostischen und therapeutischen Entscheidung gegeben und gleichzeitig können sich Patienten einen Überblick verschaffen, wie eine Behandlung der Hepatitis C bei ihnen aussehen kann. Die Leitlinien stellen allerdings keine Handlungsanweisung dar. Sie beschreiben einen Standard, von dem in begründeten Fällen auch abgewichen werden kann oder muss.

Die Behandlung sollte von einem Arzt eingeleitet und überwacht werden, der sehr erfahren ist mit der Behandlung der Hepatitis C.

Ich möchte Ihnen hier einen groben Überblick über die derzeitigen Empfehlungen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C geben.

Neue Leitlinien 2008/2009

Was hat sich geändert?

Die Medikamente sind gleich geblieben. Empfohlen wird weiterhin eine Therapie mit pegyliertem Interferon-Alpha und Ribavirin. Neue Medikamente, wie z.B. Proteasehemmer, werden derzeit noch in Studien geprüft. Mit einer Zulassung wird erst in zwei oder drei Jahren gerechnet. Deshalb wurden diese (neuen) Medikamente noch nicht in den neu überarbeiteten Leitlinien behandelt.

Geändert hat sich die Länge der Therapie. Eigentlich kann man nicht mehr von "der Standardtherapie" sprechen, denn es wird in zunehmendem Maße individuell therapiert.

Individuell bedeutet, dass nicht mehr nur der Genotyp ausschlaggebend ist für die Therapiedauer, sondern auch, wie hoch die Virenlast zu Therapiebeginn ist und wie schnell ein Ansprechen der Therapie anhand der Virenlast erkennbar ist. Die Therapiezeit kann länger oder kürzer sein, als es bisher bei der Standardtherapie der Fall war. Die Empfehlungen gehen dahin, dass die Anfangsvirenlast und die Viruskinetik (wie schnell die Virenlast sinkt bzw. zu welchem Zeitpunkt keine Viren mehr nachweisbar sind) berücksichtig werden soll. Auch individuelle Begebenheiten müssen mit in die Entscheidung einbezogen werden.

Viruskinetik/Therapieansprechen

Man unterscheidet:

Rapid-Responder (schnelles Ansprechen; bereits zu Woche 4 HCV-RNA    negativ)

Standard-Responder (HCV-RNA negativ zu Woche 12)

Slow-Responder (langsames Ansprechen; HCV-RNA negativ zu Woche 24)

Die Therapieoptionen (Ersttherapie)

Genotyp 1

Voraussetzungen für eine 24 Wochen Therapie bei sehr schnellem    Therapieansprechen (Rapid-Respondern)

  • niedrige Ausgangsvirenlast (bei Therapie mit peg. Interferon alpa2b weniger als 600.000 IU/ml, mit peg. Interferon alpha2a weniger als 800.000 IU/ml)
  • keine Fibrose, keine Zirrhose
  • kein metabolisches Syndrom (zusammen auftretende Störungen von Übergewicht, erhöhte Blutzuckerwerte, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck)
  • keine Insulinresistenz (der Körper erkennt das eigene Insulin nicht mehr richtig und kann deshalb den Zucker im Körper nur noch eingeschränkt verarbeiten.)
  • keine Fettleber
  • und bereits zu Woche 4 keine Viren mehr nachweisbar

 

Eine 48 Wochen-Therapie bei Standard-Responder.
   Hier hat sich nichts geändert, behandelt wird wie bisher bei der    Standardtherapie:

   zu Woche 12 muss die Virenlast unter der Nachweisgrenze sein bzw. mindestens    um 2 Logstufen gefallen sein

Eine Therapie von 72 Wochen soll bei Spätansprechern durchgeführt    werden, wenn die Virenlast zu Woche 12 mindestens um 2 Logstufen gefallen    ist, aber der erst zu Woche 24 unter der Nachweisgrenze ist

Ein Abbruch der Therapie bei Genotyp 1 wird empfohlen, wenn die Virenlast zu Woche 12 nicht mindestens um 2 Logstufen gefallen ist bzw. bei Woche 24 immer noch nachweisbar sind.

Natürlich muss insbesondere bei der verlängerten Therapie, wie sonst ja auch mmer, die individuellen Begebenheiten beachtet werden. (z.B. Blutbildabfall oder sehr starke Nebenwirkungen etc.)

Genotyp 2/3:

Eine Therapie über 16 Wochen kann bei Patienten durchgeführt werden, die

eine Ausgangsvirenlast weniger als 800 000 IU/ml haben und
   bereits zu Woche 4 keine Viren mehr nachweisbar sind

Eine Therapie, wie bisher über 24 Wochen, wird durchgeführt, wenn

die Ausgangsvirenlast mehr als 800 000 IU/ml beträgt

Eine 48 Wochen Therapie soll durchgeführt werden, wenn

erst zu Woche 12 HCV-RNA "negativ" erreicht werden konnte.

Ein Abbruch der Therapie bei Genotyp 2/3 wird empfohlen, wenn die Viruslast zu Woche 12 weniger als 2 Logstufen2 abfällt.

Die Virenlast soll immer mit einem hochsensitiven Test überprüft werden. Dies bedeutet, dass die untere Nachweisgrenze des verwendeten Tests bei mind. 12-15 IU/ml liegen soll. Manchmal werden auch noch Tests mit einer Nachweisgrenze bis kleiner als 50 IU/ml verwendet. Das ist evtl. noch vertretbar.


Die Genotypen 4, 5 und 6
werden bislang wie Genotyp 1 therapiert.


Patienten, bei denen die Ersttherapie erfolglos war


Zeigt eine Therapie nicht den gewünschten Erfolg, nämlich die Elimination der Viren, ist eine weitere Behandlung als Re-Therapie prinzipiell möglich.

Die Chancen bei einer Re-Therapie bei
Patienten mit einem Rückfall sind recht gut, weil bei der Ersttherapie mindestens ein zeitweiliges Ansprechen erreicht wurde.

Ausschlaggebend ist die Überprüfung der Ersttherapie in Bezug auf die Art der Therapie (Mono- oder Kombi-Therapie), Dosierung der Medikamente und Länge der Therapie.

Oftmals ergeben sich durch die neuen Therapieoptionen bessere Möglichkeiten als bei der ersten Therapie, gerade auch bei Patienten, bei denen die erste Therapie schon einige Jahre zurückliegt.
Bei
Non-Respondern sind die Erfolgsaussichten nicht so groß, denn bei Ihnen hat die Therapie, auch nicht zeitweise, angesprochen. Aber auch hier lohnt sich eine Überprüfung, ob durch neuere, bessere oder andere Therapiestrategien doch noch eine Therapieoptimierung stattfinden kann.

Die Entscheidung für eine weitere Therapie hängt von weiteren Faktoren ab, z.B. wie stark ist die Leber bereits geschädigt, das Alter des Patienten und einiges mehr.

Ist die Leber noch nicht oder nur wenig geschädigt, kann ein Abwarten auf neue Medikamente (zusätzlich zu Interferon und Ribavirin) sinnvoll sein. Je stärker die Leber geschädigt ist, desto schneller wird man sich zu einer weiteren Therapie entscheiden.


Leberzirrhose

Patienten, die bereits eine Leberzirrhose zeigen, sollten unter Beachtung möglicher Gegenanzeigen unbedingt therapiert werden.

Auch eine dekompensierten Leberzirrhose (also keine ausreichende Leberfunktion mehr und Symptome wie Bauchwassersucht, erhöhten venösen Druck im Pfortadersystem, hepatische Enzephalopathie) wird unter bestimmten Umständen antiviral behandelt. Wird eine Lebertransplantation nötig und ist auch möglich, wäre es ideal, wenn der Patient HCV-RNA negativ ist, um einer mögliche Re-Infektion der neuen Leber vorzubeugen.

Aber diese Patienten dürfen nur von erfahrenen Experten behandelt werden in Zusammenarbeit mit einem Transplantationszentrum.

Kinder ab 3 Jahre und Jugendliche

Auch Kinder und Jugendlich können therapiert werden. Die Erfolgsaussichten sind ähnlich wie bei Erwachsenen. Die Therapie sollte jedoch nur von sehr erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden.

Informationen zur Therapie bei Kindern finden Sie hier:

http://www.hepatitis-kinder.de/hepatitis_c-therapie.html

Langzeit - bzw. Erhaltungstherapie

Eine Langzeit- bzw. Erhaltungstherapie wird derzeit nicht mehr empfohlen. Durchgeführte Studien (Halt-C-Studie und COPILOT-Studie) zeigten, dass nicht der gewünschte Erfolg erreicht wurde.

Quelle: http://www.hepatitisandmore.de/archiv/2008-1/FoBiBerg.shtml

Ko-Infektionen

Auch bei Ko-Infektionen (HIV, Hepatitis B) ist eine Behandlung der Hepatitis C möglich bzw. erforderlich. Wegen der speziellen Begebenheiten sollte diese Therapie allerdings von Ärzten durchgeführt werden, die hierfür spezielle Erfahrungen haben.



(*)

Beteiligt an der Ersellung der Leitlinien waren 150 Experten, sowie viele Fachgesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen
Deutsche Gesellschaft für Virologie
Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie
Österreichische und schweizerische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie
Verschieden Arbeitsgruppen (Leiter der Gruppen in Klammern):
Definition und Diagnosestellung der Hepatititis C Virus-Infektion (S. Ross, P. Schirmacher)
Akute Hepatitis C und Prophylaxe (H. Wedemeyer)
Indikationsstellung zur Therapie der chronischen Infektion (T. Berg)
Therapie der chronischen Hepatitis C (C. Sarrazin)
Hepatitis C bei Transplantation (U. Neumann, H. Schmidt)
Koinfektionen bei Hepatitis C (U. Spengler)
Hepatitis C bei Kindern (S. Wirth

Quellen: Hepatitis&more, sowie Gebrauchsinformationen der relevanten Medikamente

08.09.2010 - 12:21 Uhr


Wir stellen uns vor. Hier können sie ein kurzes Video ansehen (5:30) in dem die Selbsthilfegruppe einige ihrer Aktivitäten zeigt. Neben diesen öffenlichen Veranstaltungen und Infoständen finden natürlich regelmäßig die Selbsthilfetreffs statt.

Paramedizin, Naturheilmittel - Macht das Sinn?

Wie vermehrt sich das Hepatitis C Virus - Video ansehen.

Sozialverband VdK - eine starke Lobby - Der Sozialverband VdK ist mit 1,4 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband in Deutschland. Er vertritt die Interessen von Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranken, Seniorinnen und Senioren, Patientinnen und Patienten gegenüber der Politik und an den Sozialgerichten.

Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten biomedizinischen Forschung.

Das Kompetenznetz Hepatitis ist eines der Kompetenznetze in der Medizin, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Das Paul-Ehrlich-Institut ist eine Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland. Es gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Informationen für Eltern und Informationen für Ärzte.

Informationen für Eltern und Informationen für Ärzte.


Kontakt & Selbsthilfetelefon: Hepatitis-C-Selbsthilfe - Ludwigshafen / Mannheim Tel: 0621 67 09 631 © 2009 /08 /07 /06 /05/04 - M. & H.Gräser