Hygiene bei Hepatitis C
Margarete Bügler, Hygienefachkraft im Klinikum Ludwigshafen hat
in der Selbsthilfegruppe Fragen zur Hygiene beantwortet.
Frage:
Ich desinfiziere nach jedem Gang der Toilette und nach dem Zähneputzen
das Waschbecken, ist das übertrieben?
Antwort:
Ja!
Es reicht ein Spülen mit Wasser, wenn keine sichtbaren
Blutverschmutzungen da sind. Bei Blutverschmutzung gründlich spülen
und mit einem handelsüblichen Putzmittel reinigen.
Frage:
Sollte man jedes Mal die Dusche, Badewanne oder die Toilette mit speziellen
Reinigungsmitteln desinfizieren oder reicht ganz normale Reinigung?
Antwort:
Eine normale Reinigung ist völlig ausreichend.
Frage:
Seit wann wird Hepatitis C z.B. bei Blutspende getestet?
Antwort:
Seit etwa 1991
Frage:
Ich hätte einen Job anfangen können, in einer Großküche, kochen für
Schulen, als ich erwähnte Hepatitis C zu haben, bekam ich den Job nicht.
Muss ich meine Krankheit erwähnen und wie sieht das aus, wenn ich z.B.
in 4 Wochen negativ bin. Bin ich dann trotzdem "gefährlich" für andere?
Antwort:
Laut Infektionsschutzgesetz gibt es in Küchen nur ein Berufsverbot bei
Hepatitis A und E, weil diese fäkal-oral übertragbar sind.
Hepatitis C wird nicht fäkal-oral übertragen.
Eine Krankheit oder Behinderung muss beim Einstellungsgespräch nicht
erwähnt werden.
Den Betriebsarzt kann man bei der Einstellungsuntersuchung von der
Erkrankung in Kenntnis setzen, er unterliegt der Schweigepflicht. Ob der
Betroffene in der Küche arbeiten darf, entscheidet der Betriebsarzt.
Frage:
Mir ist in der Uni-Klinik aufgefallen, das die Schwestern, die am
laufenden Band
Blut abnehmen, keine Handschuhe tragen, ist
das okay so???
Antwort:
Nein.
Die blutabnehmende Person muss Handschuhe tragen. Das ist von der
Berufsgenossenschaft vorgeschrieben. Hier ist der Arbeitgeber in der
Pflicht dies zu veranlassen.
Frage:
Wie oft und womit sollte man z.B. Nagelschere o.ä. desinfizieren?
Antwort:
Patienten sollten ihre eigene Nagelschere, Nagelbürste, Zahnbürste
besitzen. Bei Blutverschmutzung reicht ein gründliches Abspülen mit
Wasser.
Frage:
Was kann ich in einem normalen Haushalt tun?
Gibt es besondere Maßnamen für den Badbereich?
Ist "Desderman N (wirksam geg. HBV / HCV)"nötig,
wirksam anzuwenden?
Wann und wie ?
Antwort:
Blutverschmutzungen immer sofort mit viel Wasser, einem Einmaltuch
und Haushaltsreiniger entfernen.
Im Alltag sind keine besonderen Maßnahmen im Badbereich erforderlich,
Bei Blutverschmutzung s.o.
Desderman N ist wirksam gegen HBV und HCV.
Im täglichen, häuslichen Umfeld ist eine Händedesinfektion nicht
erforderlich.
In der Arztpraxis und Klinik wird es angewendet unabhängig von einer
Infektionskrankheit
Frage:
Was ist, wenn man mal aus der Flasche trinkt und Sohnemann aus
Versehen auch trinkt...kann man vom gemeinsamen Flasche oder Glas
sich anstecken????
Antwort:
Hepatitis C ist eine Blut-zu-Blut-Übertragung. Bisher sind Infektionen über
Speichel nicht bekannt. Man geht deshalb davon aus, dass eine
Ansteckung auf diesem Weg nicht stattfindet.
Frage:
Womit desinfiziere ich bei Blutverschmutzung z.B. den Boden oder Sachen, die mit Blut beschmutzt sind?
Antwort:
Das Blut auf Flächen oder Boden sofort mit einem Einmaltuch
(Küchenrolle, Toilettenpapier, Papiertaschentuch) abwischen, dann mit
Wasser und einem Haushaltsreiniger putzen. (evtl. Sagrotan)
Geschirr und andere Utensilien gründlich mit Wasser abspülen, danach in
der Geschirrspülmaschine reinigen.
Wäsche in die Waschmaschine, höchstmögliche Temperatur.
Frage:
Blutige Wäsche? Reicht eine Waschmaschinenwäsche bei 95°C?
Antwort:
Ja
Frage:
Ist Monatsblut auch infektiös?
Antwort:
Ja
Frage:
Warum werden oftmals Patienten mit Hepatitis C bei Behandlungen mit
evtl. Blutungen gerne auf den letztmöglichen Termin des Tages gelegt?
Das dann gerne angeführte Argument ist, dass dann danach besonders
gründlich desinfiziert werden könne. Dies wiederum führt mich dann zu
der Frage, ob zwischen den anderen Behandlungen keine gründliche
Desinfektion vorgenommen wird. Das würde dann ja bedeuten, dass ein
unerkannt mit Hepatitis B/C oder HIV o.ä. alle nach ihm folgenden
Patienten anstecken könnte.
Antwort:
Septische (infektiöse) Operationen werden aus organisatorischen Gründen an das Ende der Operationsprogramms gelegt.
Eine Desinfektion erfolgt selbstverständlich nach jedem Eingriff.
Unter Umständen müssen sehr große Flächen desinfiziert und gereinigt
werden, wenn es z.B. zu Blutverspritzungen kommt. Dies ist sehr
zeitaufwändig und es käme zu Verschiebungen des Operationsprogramms
oder Behandlungsprogramm. Nachfolgende Patienten müssten längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Deshalb ist die Behandlung infektiöser Patienten am Ende besser.
Frage:
Sollte man eine solche Praxis oder Krankenhaus dann nicht lieber generell
meiden? Wer schon eine dieser Infektionskrankheiten hat, braucht ja nicht
unbedingt noch eine andere.
Es gibt doch gewisse Hygienestandards, die jeder niedergelassene Arzt
und erst recht jedes Krankenhaus einhalten müssen.
Antwort:
Laut Infektionsschutzgesetz sind alle Kliniken angehalten, einen Hygiene-
und Desinfektionsplan zu haben.
Das Robert-Koch-Institut hat Richtlinien erstellt. Diese sind Empfehlungen
nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft. An diesen Richtlinien
sollten sich Kliniken, Ärzte, Pflegeheime, Altenheime orientieren.
Frage:
Wenn diese eingehalten werden würden, würde das dann nicht bedeuten
dass es eigentlich nur eine unnötige Diskriminierung von Patienten ist,
wenn man sie auf den letztmöglichen Termin legt mit der Begründung,
dass sie ja eine Hepatitis C hätten?
Antwort:
Nur wegen einer Hepatitis C besteht kein Grund den Patienten am Ende
des OP-Programms zu operieren. Häufig kommt es zu solchen
Entscheidungen wegen Unkenntnis oder Ängsten des Personals.
Frage:
Bisher habe ich nie desinfiziert vor dem Spritzen von Interferon. Die
Sprechstundenhilfe die es mir zeigte, meinte, ich müsse das nicht tun.
Jetzt habe ich gerade im Forum gelesen, dass es wohl üblich ist, die Haut
vorher zu desinfizieren. Also ich werde es wohl ab jetzt auch tun, möchte
aber gerne wissen was die/der Fachfrau/-mann dazu sagt um eventuell
die Sprechstundenhilfe damit zu konfrontieren....
Antwort:
Im häuslichen Bereich muss bei subcutanen Injektionen keine
Desinfektion stattfinden.
In der Praxis und Klinik muss immer eine Hautdesinfektion vor dem
verabreichen von Spritzen erfolgen (RKI - Richtlinie, Haftung)
Frage:
Ich bin Sanitärinstallateur und montiere u.a Wasserleitungen
(Lebensmittel Nummer 1) Was ist wenn ich mich schneide und Blut in die leeren Leitungen gelangt?
Antwort:
Die Leitungen sehr lange und gründlich mit Leitungswasser spülen.
Frage:
Gibt es Tipps für meinen Friseur? Die kannte zwar Hepatitis, aber nicht die
Hepatitis C.
Rasierklingen? Scheren?
Antwort:
Auch Frisöre werden während Ihrer Ausbildung in Hygiene unterrichtet.
Sie sind verpflichtet, alle Instrumente (Scheren, Rasierklingen etc.) die
direkten Hautkontakt haben, evtl. sogar mit Blut in Berührung kamen
anschl. zu desinfizieren und zu reinigen.
Bei einer Haarschneideschere ist dies im Normalfall nicht erforderlich, es
sei denn, der Frisör verursacht damit eine Schnittverletzung.
Frage:
In Fachgeschäften kann man elektrische Rasierapparate ausprobieren.
Wie groß ist die Gefahr, dass ich mich dort mit ansteckenden Krankheiten
infiziere? Haben dies Geschäfte Vorschriften, die dann auch überprüft
werden?
Antwort:
Ist mir nicht bekannt. Mit einem elektrischen Rasierapparat kann man
sich keine blutenden Wunden zuziehen.
Aber ein Ausprobieren des Rasierapparates ist sowieso nicht zu empfehlen
wegen ansteckenden Hauterkrankungen z.B. Hautpilz.
Frage:
Magen-/Darmspiegelung
Soll ich diese bei meinem Hausarzt durchführen lassen oder bin ich da
besser in einer Ambulanz einer Uniklinik aufgehoben? Ich kann mir
vorstellen, wenn der Arzt nur ab und zu eine Untersuchung durchführt,
dass er evtl. dann doch nicht über geeignete Geräte verfügt, die Sonden
richtig aufzubereiten (Desinfektion, Sterilisation, Spülen)
Antwort:
In allen Arztpraxen gilt die Richtlinie für die Aufbereitung der
Medizinprodukte und für die Aufbereitung der Endoskope.
Frage:
Ich war wegen einer Operation im Krankenhaus und habe eine eigene
Toilette zugewiesen bekommen. War dies notwendig?
Antwort:
Eine eigene Toilette ist für Hepatitis C Patenten nicht erforderlich.
Frage:
Ich habe eine chron. Hepatitis C und eine ausgeheilte Hep. B.
Das reicht mir eigentlich. Was wird im Krankenhaus oder in der
Arztpraxis/Zahnarztpraxis getan, damit ich nicht mit weiteren
Infektionskrankheiten angesteckt werde?
Mein Eindruck ist eher, dass sich das Personal selbst vor Ansteckung
schützt, nicht aber daran denkt, mich vor weiterem Schaden zu bewahren.
Ich mache mir auch Gedanken darüber, wie stark die Gefahr ist, dass
Infektionen von einem Patienten zum anderen getragen werden. Die
Schwestern ziehen zwar Handschuhe an, aber es kommt doch auch vor,
dass sie mit ihren Kleidern Patientenberührung haben oder auch ans Bett
kommen und dann zum nächsten Patenten gehen.
Antwort:
Pflegepersonal muss bei bestimmten Tätigkeiten, bei denen eine
Kontamination der Kleidung nicht ausgeschlossen ist, einen Schutzkittel
tragen. Bei Kontakt mit Blut oder Ausscheidungen von Patienten müssen
sie Handschuhe tragen.
Die größte Gefahr zur Übertragung von Krankheitskeimen sind die Hände,
daher ist die Händedesinfektion in Klinik und Arztpraxis die wichtigste
Maßnahme. Es gibt Richtlinien, wann und wie die Händedesinfektion
erfolgen muss.
Oberstes Ziel ist der Schutz des Patienten sowie der Schutz des Personals.
Frage:
Ich habe beim Zahnarzt beobachtet, dass er in den Behandlungsraum kam
und erst seine Handschuhe, die er bereits trug, desinfizierte. Der Schluss
liegt nahe, dass er diese beim Vorpatienten schon an hatte. Was kann ich
da tun?
Antwort:
Man kann ihn auffordern, neue Handschuhe anzuziehen.
Es gibt spezielle Handschuhe, welche desinfiziert werden können, jedoch
auch sehr teuer sind.
Frage:
Ärzte und Pflegepersonal, med. Personal können ja auch Virenträger sein.
Werden diese regelmäßig auf Infektionskrankheiten getestet und wenn ja
auch welche?
Wie kann ich sicher sein, dass der operierende Arzt keine stark infektiöse
Krankheit hat?
Ich habe in diversen Ärzteforen schon den Tipp von Jungärzten gehört,
lieber nichts zu sagen. Ist es möglich, dass sich med. Personal einer
entsprechenden Untersuchung entziehen kann?
Antwort:
Das med. Personal wird regelmäßig vom Betriebsarzt auf bestimmte
Infektionskrankheiten untersucht. (Tuberkulose, Hepatitiden, je nach
Arbeitsplatz auch auf Kinderkrankheiten oder Salmonellen)