Wissen über Hepatitis C
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Die Seite wurde zuletzt am
05.05.2009 15:15 bearbeitet.


 

 

Marius - Hepatitis C in Rumänien

Marius, im Forum nicht unbekannt, setzt sich für seine rumänischen, an Hepatitis C erkrankten Landsleute ein. Dazu hat er ein Forum und eine Homepage ähnlich dem unseren für Rumänen aufgebaut. Wir unterstützen ihn so gut es geht, um Wissen, über alles was mit der Hepatitis C zu tun hat, über die Grenze zu transferieren. Wissen, das für diese Leute von sehr hohem Stellenwert ist, weil sich dort aus Mangel an Informations- und auch Behandlungsmöglichkeiten schon ein Informations-Vakuum gebildet hat, das es gilt, so weit wie möglich aufzufüllen.

Marius möchte ein Bild über die Verhältnisse in Rumänien zeichnen, das uns auch aufzeigen soll, dass wir trotz aller Einschränkungen während der Interferon Therapie auf der "Sonnenseite" - so wie es Marius nennt - leben. Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen Betroffenen in unseren Land, die Nebenwirkung der Medikamente erträglicher zu halten, mit dem Wissen, dass Menschen nur einige hundert Kilometer weiter davon träumen, diese Medikamente überhaupt zu bekommen.

Lassen wir Marius selbst zu Wort kommen

Manchmal, wenn es uns sehr gut geht, vergessen wir ganz wie schlecht es anderen geht. Vieles was für uns selbstverständlich ist, bleibt für andere ein unerfüllbarer Traum. Wir jammern wegen Kleinigkeiten, vergessen dabei, dass wir auf der Sonnenseite der Erde bzw. Europas leben.
Vor einigen Jahren hatte ich das Glück die Schattenseite Europas verlassen zu können und lebe seither in Deutschland. Meine Wurzeln sind aber dort geblieben und vielen meiner Landsleute kann ich inzwischen mit einem ähnlichen Forum wie diesem helfen. Für mich selber war, nach dem Schock der Diagnose, während der 7 Monate Therapie und nach dem Abbruch...das Forum von Margrit und Helmut der Rettungsanker.

Rumänien ist ein traumhaft schönes Land

mit viel unberührter Natur (das, was man hier schon als Wildnis bezeichnen würde). Die Menschen dort scheinen schon seit Urzeiten einen vorprogrammierten Leidensweg zu haben, aber auch die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Es ist ein Land des Extremen, neben dem uralten, funktionierenden Telefon mit Kurbel liegt das modernste Handy, auf der Straße überholt der neueste Porsche den von Büffeln gezogenen Leiterwagen.

Und Rumänien ist ein an Hepatitis C erkranktes Land.

Der offizielle Prozentsatz der Erkrankten ist einer der höchsten in Europa, über 5 %, das sind mehr als 1 Million Menschen und ist aktuell eher am Steigen. Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit um einiges höher. Teilweise liegt es daran, dass die Krankheit asymptomatisch verläuft, andererseits können in Rumänien die wenigsten es sich leisten krank zu sein. Einen Job zu finden ist schon schwer (trotz niedrigen Löhnen), man verliert ihn aber mit Sicherheit sobald man öfters arbeitsunfähig ist. Kündigungsschutz ist ein unbekanntes Wort. Die Dorfbewohner gehen möglicherweise zum Dorfarzt, den Weg zum Spezialisten in der nächsten Stadt für genauere Blutuntersuchungen finden sie eher nicht. Landwirtschaft ist da kein „Geschäft“ sondern Überlebenschance. Da hat man Lebensmittel zur Verfügung, aber kaum Geld übrig um die Bus- oder Bahnfahrkarte zu zahlen, der Sprit kostet in Etwa das Gleiche wie hier.

Die Stadtbewohner haben die Chance einer frühen Diagnose wie hier auch...nach 1, 5, 10 oder 20 Jahren nach der Infektion. Und mit der Diagnosestellung beginnt dann das Abenteuer. Damit meine ich nicht die dürftigen HEP C - Kenntnisse des Hausarztes, das Problem haben wir hier ja teilweise auch, sondern die Möglichkeit eine Behandlung / Therapie zu erhalten. Rumänien ist trotz seiner immensen Bodenschätzen ein armes Land. Also kann nicht jeder eine teure Behandlung erhalten. Ein Alter ab 60 oder 65 Jahren (je nach Dicke der Brieftasche, Arzt, Beziehungen usw) schließt eine Interferon-Therapie aus.

Dann müssen die Leberwerte stark erhöht, die Virenlast millionenwertig und die Leber ziemlich angegriffen sein. Man stellt also einen Antrag und wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, der Hausarzt eine Empfehlung ausgesprochen und eine zentrale Kommission in der Hauptstadt genau geprüft hat und auch noch Gelder vorhanden sind, gibt es nach 4-12 Monaten eine Bewilligung. Leider ist damit noch nicht alles erledigt. Möglicherweise gibt die Apotheke in deiner Stadt keine Medikamente auf Rezept aus, weil die Versicherung im Zahlungsverzug ist, oder das Medikament gerade alle ist, oder...Und dann beginnt die Odyssee zur nächsten Apotheke, Stadt, Krankenhaus, Anrufe, „Kennst du vielleicht jemand, der jemanden kennt, der den Apotheker kennt...“usw.

Nach dem 3-Monats PCR fällt, wenn die Virenzahl es auch entsprechend den 2 log tut, die Entscheidung zum weitermachen. Oft verlangen aber die Ärzte, dass z.B. 10 Patienten für Blutproben da sind, es lohnt sich sonst nicht den Transport der Blutproben zu veranlassen. So verschiebt sich der Termin und für die nächste Bewilligung des neuen Antrags braucht die Kommission wiederum Zeit. Eventuell heißt es nach drei Monaten zwar „negativ“, es gibt aber keine Weiterbehandlung weil man den Termin verpasst hat. Leider ist das keine Theorie, sonder tatsächlich einem meiner Forumsmitglieder passiert.

Unter diesen Umständen hat die alternative Medizin, vom empirischen Schnitt unter der Zunge über Wundermittel aller Art von Doktoren die ihre Titel wer weiß wo erlangt haben, einen wahren Boom erlebt und das Geschäft läuft anscheinend gut, die Mittel sind sauteuer. Da wird mit Entgiftungskuren, Aloe, Combucho usw geworben und behandelt, letztendlich aber nur die Brieftasche der Patienten „entwässert“ nicht aber der Virus entfernt. Dann gibt es noch sogenannte „Hepatoprotectoare“ eine Art Leberschutzmittel, welche auch von den Ärzten empfohlen werden, wohl damit die Patienten beschäftigt sind. Ich hoffe damit nicht das Bild eines intellektuell am Boden liegenden Landes gemalt zu haben. In Rumänien wird viel gelehrt und gelernt! Die Ausbildung kann jederzeit mit der hiesigen konkurrieren, Unternehmen des Westens, die dort Fuß gefasst haben, müssen keine Handwerker mitnehmen und die rumänischen Spezialisten kommen im Westen ebensogut an. Das große Problem liegt in der brachliegenden sozialen Fürsorge, generiert durch eine Armut, die auch das medizinische System lähmt. Gepaart mit dem Entsetzen, dass Millionen Viren Sekunde für Sekunde an deiner Leber „knabbern“ und dem Gefühl nichts dagegen tun zu können, führt dazu, jedes auch noch so unorthodoxes Mittel anzuwenden und dadurch wertvolle Zeit zu verlieren.

Hep C zu haben ist in Rumänien eine Schande. Für die meisten Gesunden ist es eine Alkoholiker- oder Sex-Krankheit. Durch Berichte aus anderen Ländern weiß ich inzwischen, dass es auch in anderen Ländern nicht viel besser ist. Dummheit kennt eben keine Grenzen. Man spricht lieber nicht darüber, weder mit Freunden noch mit dem Zahnarzt, man weiß es vielleicht noch nicht und Sterilität kostet, wen wundern da die 5%?

Warum ich diese Zeilen schreibe? Vielleicht aus dem Wunsch heraus, dass jeder für sich mal einen Vergleich anstellt zwischen sich und den anderen, die das Pech hatten, ein paar km weiter östlich zur Welt zu kommen.

Dieselbe Krankheit, dieselbe Therapie...
und doch welch ein Unterschied!

Marius

 

08.09.2010 - 12:10 Uhr


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Informationen für Eltern und Informationen für Ärzte.

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