Chronische Hepatitis C
Die Infektion durch das Hepatitis-C-Virus verläuft bei den meisten Betroffenen chronisch. Die akute Hepatitis-C-Infektion wird selten erkannt, aber auch die chronische Verlaufsform wird oftmals nicht erkannt. Die Patienten können zunächst für Jahre oder auch Jahrzehnte asymptomatisch bleiben, zumindest was die spezifischen Symptome anbelangt.
Der natürliche Verlauf (also ohne Behandlung) ist recht unterschiedlich.
Charakteristisch für die chronische Hepatitis C sind unspezifische Symptome, die der Patient mehr oder weniger wahr nimmt. Oft werden diese Störungen anderen Umständen zugeschrieben und somit häufig fehlinterpretiert. Nicht selten laufen die Patienten von Arzt zu Arzt und landen zu guter Letzt beim Psychotherapeuten. Dies hat zwei Aspekte. Zum einen kann durch die HCV-Infektion direkt eine Depression ausgelöst werden, zum anderen ist es ganz logisch, dass jemand, der jahrelang unter ungeklärten, unerklärlichen Symptomen leidet, depressiv wird.
Die auffälligsten Symptome sind hierbei die Müdigkeit und Erschöpfungszustände. Diese Zustände sind insofern auffällig, weil es sich nicht um eine normale Müdigkeit handelt, wie etwa durch körperliche Arbeit, sondern augenscheinlich kein Grund besteht. In den meisten Fällen kann auch durch vermehrten Schlaf diesem Syndrom nicht abgeholfen werden. Häufig ist auch eine Schlafumkehr anzutreffen. Das bedeutet, der Patient kann nachts nicht schlafen, aber am Tag. Diesem Phänomen kann oft auch nicht durch Einhalten bestimmter Schlafregeln ( Einhalten von Zeiten) abgeholfen werden.
Weitere unspezifische Symptome können sein: Bauchbeschwerden, zumeist im oberen Bauchbereich, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Gewichtsverlust, Magersucht, Ikterus, Juckreiz, Erbrechen, Ekelgefühl, Appetitlosigkeit. Diese Symptome können, müssen aber nicht auftreten. Sie können allein, oder zusammen auftreten.
Da aber die meisten Beschwerden recht diffus sind, wird selten eine Hepatitis vermutet.
Oft wird eine Leber- und Milzvergrößerung beobachtet.
Die Leberwerte können erheblich schwanken, manchmal sogar über einen sehr langen Zeitraum im Normbereich bleiben. In einem Teil der Fälle führt ein langjähriges Bestehen dieser Erkrankung zu einem Umbau des Lebergewebes und über eine Fibrose zu der gefürchteten Zirrhose. Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist die Entstehung eines Leberzellkarzinoms.
as Endstadium der Lebererkrankung, wenn es überhaupt eintritt, benötigt oft 20 bis 30 Jahre oder mehr. Die Frage, welche Patienten im Laufe der Jahre diese gefürchtete Komplikation bekommen, wurde und wird sehr kontrovers diskutiert. Es steht aber fest, dass die Mehrzahl der Patienten auch nach langer Krankheitsdauer dieses Stadium nie erreichen wird. Hiermit will ich die Krankheit keinesfalls verharmlosen. Das Wesentliche besteht nämlich darin, dass man letztendlich nicht genau vorhersagen kann, welcher Patient, wie schnell diese Phase erreicht. Oder überhaupt erreicht!
Dennoch gibt es einige Einflüsse, die wahrscheinlich dazu beitragen, den Prozess zu beschleunigen.
Der Verlauf der chronischen Hepatitis C ist im wesentlichen von drei Faktoren abhängig. Das belegen viele Studien. Einer der wichtigsten Faktoren ist das Alter zum Zeitpunkt der Infektion. Da wird die Grenze ungefähr bei 40 Jahren gesetzt. Dann das Geschlecht desjenigen, der infiziert wird, und von äußeren Faktoren.
Zu den äußeren Faktoren zählen vor allem Alkohol und Rauchen. Das sind zwei der wirklich sehr großen Faktoren, die man gefunden hat, die den Verlauf deutlich negativ beeinflussen.
Umgebungsfaktoren ist ein sehr schleierhafter Begriff und meint letztlich Umweltgifte, die wir alle in uns aufnehmen. Verläufe sind in Japan nämlich anders, als beispielsweise in Europa. Man schiebt es letztlich auch auf Faktoren im Essen und in der Umwelt.
Das Geschlecht: Frauen haben einen deutlich milderen Verlauf in der Regel als Männer.
Das Alter zum Zeitpunkt der Infektion: je jünger man infiziert wird, umso milder sind die Verläufe. Wenn man später infiziert wird, also über 40 Jahre, ist der Verlauf viel schlechter.
Leider gibt es sehr wenige Studien mit ausreichender Anzahl von Patienten, die einen Verlauf über 25 Jahren beobachtet haben, wenn, dann eher retrospektive Studien, also Studien, bei denen man im nachhinein feststellte, dass die Patienten Hepatitis C haben. Das betrifft vor allem das Kollektiv an Frauen, die in den Jahren 1978/79 durch die Anti-D-Prophylaxe infiziert wurden. Von 1018 Patienten hatten nach 20 Jahren nur 4% eine Leberzirrhose entwickelt.
Ferner spielen wahrscheinlich weitere sogenannte Wirtsfaktoren eine Rolle. Dazu zählen genetische Einflüsse, Leberverfettung, Eisengehalt der Leber, Immunschwäche, Rasse.
Möglicherweise spielen auch virale Faktoren eine Rolle, die den Verlauf beeinflussen: Genotyp, Virusmenge, und evtl. Co-Infektionen mit Hep. B oder HIV.
Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu den typischen Symptomen einer Leberzirrhose kommen: Bauchwassersucht, Wasseransammlungen in den Beinen, Muskelabbau und dadurch bedingte Schwäche, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit.
Die Hepatitis C kann nicht nur zu einer Leberentzündung mit allen gefürchteten Komplikationen führen, sondern es können auch Störungen außerhalb der Leber auftreten, sogenannte extrahepatische Manifestationen. Das kann unter anderem sein: Gelenkschmerzen (Arthralgien) und Gelenkveränderungen (Arthropathien), Knochenmarkstörungen, Nierenerkrankungen, Schilddrüsenerkrankung und Autoimmunerkrankungen, sowie Diabetes und Muskelschmerzen.
Es gibt Studien, die erkennen lassen, das diese Störungen außerhalb der Leber recht häufig bei HCV-Patienten zu beobachten sind. Hauptsächlich sind Gelenke, Haut und Muskeln betroffen.